Augen beginnen zu strahlen. Eine Hand streckt sich aus. Blicke öffnen sich. Die Welt erscheint in einem neuen Licht... Das alles bewirkt die tiergestützte Therapie: eine ganzheitliche Methode, die Mensch und Tier zusammenbringt und sie gemeinsam wachsen lässt. Die tiergestützte Therapie auf dem Geniushof in Esgrus (Schleswig-Holstein) soll insbesondere Menschen mit Behinderungen ansprechen. Diese erfahren mit Hilfe verhaltenstherapeutisch geschulter Hunde einen heilsamen Prozess, der Lebensfreude schenkt.
Schon im Altertum machte man sich die Heilkraft von Tieren zunutze. So galt die auf den Bauch gelegte Katze als probates Mittel gegen Schmerzen. Was lange als Aberglaube belächelt wurde, bestätigen heute moderne Apparaturen: Katzengeschnurre heilt. Ihr Schnurren von durchschnittlich 25 Hertz entspricht den Vibrationen von Beschallungsgeräten, die zur Schmerzlinderung oder bei Knochenbrüchen eingesetzt werden.
Doch weit eindrucksvoller sind die Ergebnisse, die Tiere dort erzielen, wo Worte versagen: im Bereich der Gefühle. Behinderte Kinder, die beispielsweise häufig von ihren Altersgenossen ausgegrenzt werden, erleben durch Tiere eine vorurteilslose Akzeptanz. Sie werden angenommen, so wie sie sind. Eltern und andere Familienmitglieder sind oft von den Entwicklungsschritten und positiven Verhaltensweisen überrascht, die ihr Kind auf einmal zeigt. Mit anderen Augen nehmen sie am Leben ihres Kindes teil.
Tiere spenden Zuwendung und Liebe. Die tiergestützte Therapie arbeitet mit Spontaneität und mit Übungen, die die Sinne ansprechen. Sie versteht sich als Begleitung und Ergänzung zu konventioneller Psycho- und Körpertherapie. Indem sie Gefühle freisetzt, wirkt sie nicht analytisch, sondern erlebnisorientiert. Dies nimmt ihr jeglichen „Erfolgsdruck“, wobei gerade dadurch der Weg für Neues oft überraschend schnell bereitet wird.
